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Direkte oder Indirekte Zollvertretung?

Direkte und Indirekte Zollvertretung im Vereinigten Königreich: Wir geben einen Überblick


Seit dem 1. Januar 2021 hat sich das rechtliche Umfeld für Zollaktivitäten im Vereinigten Königreich erheblich verändert. Der Austritt des Landes aus der EU führte dazu, dass die EU-Verordnung 952/2013 durch den Taxation (Cross-border Trade) Act 2018 (TCTA 2018) ersetzt wurde. Diese Änderung hat weitreichende Auswirkungen auf deutsche Unternehmen, die auf die Abgabe von Zollanmeldungen angewiesen sind. In diesem Blogbeitrag werden die Unterschiede zwischen direkter und indirekter Zollvertretung sowie die relevanten Aspekte des TCTA 2018 erläutert.


Auswirkungen des Taxation (Cross-border Trade) Act 2018

Der TCTA 2018 hat die bekannten Begrifflichkeiten und Anforderungen des Unionszollkodexes bei der Zollvertretung leicht verändert. Der Begriff "Zollvertreter" wurde durch "Zollagent" ersetzt, obwohl das Konzept im Wesentlichen gleich bleibt. Der wichtigste Abschnitt für Zollagenten ist Abschnitt 21, der die Befugnisse und Pflichten eines Zollagenten festlegt.


Direkte Zollvertretung

Bei der direkten Zollvertretung handelt der Zollvertreter im Namen und auf Rechnung eines anderen Unternehmens (des "Principals"). Der Principal ist der Erklärende und trägt die volle Verantwortung für alle Verpflichtungen, die sich aus der Zollerklärung ergeben. Zu den Hauptverpflichtungen des Principals gehören die Pflege der Zollunterlagen und die Bereitstellung eines Prüfpfades. Laut Abschnitt 21 des TCTA 2018 kann ein Zollvertreter im Namen des Principals Zollanmeldungen vornehmen. Dies wird als direkte Vertretung bezeichnet. Nur wenn der Zollagent nachweislich grobe Fehler macht, ist er gemäß Abschnitt 21(6)(d) auch für die Importzölle verantwortlich, wenn die Erklärung nicht den Vorgaben des Principals entspricht. Dies bedeutet, dass der Zollagent eventuell trotz seiner direkten Vertretungsrolle haftbar sein kann, wenn er nicht sorgfältig handelt. Aus diesem Grund sind wir sehr vorsichtig bei der Abgabe unserer Zollanmeldungen für unsere Kunden und stellen sicher, dass wir ein genaues Bild der Waren und des Warenflusses haben und alle Informationen vor Abgabe der Zollanmeldung erhalten.


Durch eine gründliche Vorbereitung und die genaue Überprüfung aller relevanten Dokumente und Informationen können wir potenzielle Fehler minimieren und sicherstellen, dass alle Zollanforderungen korrekt erfüllt werden. Dies beinhaltet, z.B. die genaue Prüfung der Warenbeschreibung, die korrekte Angabe des Warenwerts sowie die Einhaltung aller Ursprungs- und Handelsvorschriften. Indem wir diese Sorgfalt walten lassen, schützen wir sowohl unsere Kunden als auch uns selbst vor den möglichen rechtlichen und finanziellen Konsequenzen fehlerhafter Zollanmeldungen.


Bedeutung der Etablierung

Anhang 1 des TCTA 2018 Abschnitt 2 „Berechtigung von Personen zur Abgabe einer Zollerklärung“ verweist spezifisch auf die oft übersehene Frage der Etablierung. Das Gesetz ist hier eindeutig und besagt, dass „Personen Zollerklärungen abgeben dürfen“ nur, wenn „sie im Vereinigten Königreich oder an einem bestimmten Ort außerhalb des Vereinigten Königreichs etabliert sind“. Für deutsche Unternehmen, die ausschließlich außerhalb des Vereinigten Königreichs ansässig sind, ist daher die indirekte Vertretung oft die bevorzugte, manchmal sogar die einzige Methode, Waren in den englischen Markt einzuführen.


Indirekte Zollvertretung

Bei der indirekten Zollvertretung handelt der Zollagent in eigenem Namen, jedoch im Auftrag eines anderen Unternehmens. In diesem Fall ist der Zollagent gemeinsam und gesamtschuldnerisch für alle zollbezogenen Verbindlichkeiten verantwortlich, die sich aus den Zolltransaktionen ergeben. Dies bedeutet, dass der Zollagent eine umfassende Prüfspur bezüglich der Zollerklärungen führen muss.


Risiken und Haftungen

Für deutsche Unternehmen, die ausschließlich außerhalb des Vereinigten Königreichs ansässig sind, ist die indirekte Vertretung oft die bevorzugte Methode.

Zollagenten müssen sich der potenziellen Haftungsrisiken bewusst sein, insbesondere wenn sie für Unternehmen außerhalb des Vereinigten Königreichs tätig sind. Zu den häufigsten Problemen gehören Falschangaben der Waren, Unterbewertungen des Warenwerts, Verstöße gegen Ursprungsregeln und Anticampingzollverletzungen. Diese Probleme können erhebliche zusätzliche Verwaltungskosten und Schulden für den Zollagenten verursachen, die er begleichen und anschließend zurückfordern muss. Daher muss ein Zollagent sicherstellen, dass er vertragliche Vereinbarungen hat, die ihn vor etwaigen Verstößen seines Kunden schützen.


Eine umfassende Prüfspur zur Risikominimierung

Dies bedeutet, dass der Zollagent eine umfassende Prüfspur bezüglich der Zollerklärungen führen muss. Bei Customs Manager Ltd bestehen wir darauf, alle relevanten Details und Dokumente sorgfältig zu prüfen und zu dokumentieren. Besonders wenn wir als indirekter Zollagent agieren, gehen wir ein hohes Risiko ein, welches wir durch eine detaillierte Risikominimierung reduzieren.


Wenn wir als indirekter Zollagent agieren, gehen wir ein hohes Risiko ein, welches wir durch eine detaillierte Risikominimierung reduzieren.


Unsere Schritte zur Risikominimierung umfassen:

  1. Gründliche Überprüfung der Dokumente: Wir stellen sicher, dass alle Zollunterlagen vollständig und korrekt sind, bevor wir die Zollanmeldung abgeben.

  2. Sorgfältige Analyse der Warenbeschreibung: Jede Warensendung wird genau analysiert, um sicherzustellen, dass die Waren korrekt klassifiziert und bewertet werden.

  3. Einhaltung von Ursprungs- und Handelsvorschriften: Wir prüfen, ob alle Ursprungs- und Handelsvorschriften eingehalten werden, um potenzielle Probleme bei der Zollabwicklung zu vermeiden.

  4. Regelmäßige Schulungen: Unser Team wird regelmäßig geschult, um über die neuesten Zollvorschriften und bewährtes Vorgehen informiert zu bleiben.

  5. Transparente Kommunikation: Wir halten eine offene Kommunikation mit unseren Kunden aufrecht, um sicherzustellen, dass wir alle notwendigen Informationen rechtzeitig erhalten.


Wenn Sie an einer indirekten Vertretung interessiert sind, kontaktieren Sie uns bitte, um unsere Konditionen und Voraussetzungen zu erfahren. Unsere Expertise und sorgfältige Arbeitsweise helfen Ihnen, Risiken zu minimieren und eine reibungslose Zollabwicklung sicherzustellen.


Ermächtigung

Eine der wesentlichen Bestimmungen des TCTA 2018 ist die "Ernennung" eines Zollagenten durch den Principal. Diese Ernennung muss positiv und nachvollziehbar erfolgen, vorzugsweise in schriftlicher Form, sei es per E-Mail, elektronischer Nachricht oder durch eine formelle Unterschrift auf einem Dokument. Diese Ernennung kann entweder für einzelne Sendungen oder für einen unbegrenzten Zeitraum erfolgen. Bei Vertragsabschluss werden wir Sie bitten, uns eine Ermächtigung zu erteilen. Ohne Ermächtigung, keine Zollabwicklung.


Ernennung eines Unteragenten

Übrigens: Wenn der Zollagent die Zollabfertigung an einen Unteragenten delegiert, muss die Vereinbarung zwischen dem Agenten und dem Principal dies zulassen. Andernfalls ist der Unteragent nicht befugt, den Erklärenden direkt zu vertreten und könnte als in eigenem Namen handelnd betrachtet werden, was ihn voll haftbar für etwaige Zollschulden macht. Wenn wir als Unteragenten agieren, fordern wir immer eine Kopie des ursprünglichen Ermächtigungsdokuments erhalten. Wenn wir mit Partnern in Ihrem Interesse arbeiten, dann wird denen ebenso eine Ermächtigung als Unteragent erteilt.


Anweisungen und Vorbereitung der Zollerklärung

Es wird oft übersehen, dass ein Zollagent bei der Abgabe einer Zollerklärung eine rechtsverbindliche Erklärung gegenüber den Zollbehörden abgibt. Es ist daher entscheidend, dass diese Erklärung in allen Aspekten korrekt ist. Um die notwendige Genauigkeit sicherzustellen, muss darauf geachtet werden, wie die erforderlichen Informationen gesammelt und in welcher Form sie erhalten werden. Die Zollbehörden legen zunehmend Wert auf die Einhaltung der Vorschriften, was eine lückenlose Prüfspur erfordert. Wenn wir als Ihr Zollagent agieren, werden wir von Ihnen so viele Informationen wie möglich schriftlich einfordern, sei es pro Sendung oder um mehrere Transaktionen abzudecken. Dabei sind wir bemüht, stets genaue Aktennotizen, einschließlich Gesprächsprotokollen, zu führen, um Ihre Anweisungen genau befolgen zu können.


Fazit

Die Änderungen, die durch den Taxation (Cross-border Trade) Act 2018 eingeführt wurden, haben die Rolle und Verantwortung von Zollagenten im Vereinigten Königreich neu definiert. Deutsche Unternehmen, die im britischen Markt tätig sind, müssen sich der Unterschiede zwischen direkter und indirekter Zollvertretung bewusst sein und die entsprechenden Haftungsrisiken berücksichtigen:


  • Direkte Zollvertretung bietet den Vorteil, dass die Hauptverantwortung beim Principal liegt, wobei der Zollagent sorgfältig arbeiten muss, um Haftungsrisiken zu vermeiden.

  • Indirekte Zollvertretung hingegen bringt eine höhere Haftung für den Zollagenten mit sich, da dieser in eigenem Namen handelt und somit für alle zollbezogenen Verbindlichkeiten verantwortlich ist.


Customs Manager Ltd. stellt sicher, dass alle Zollanmeldungen präzise und konform sind, indem wir gründliche Vorbereitungen treffen und eine umfassende Prüfspur führen. Dies umfasst die genaue Überprüfung der Warenbeschreibung, die Einhaltung von Ursprungs- und Handelsvorschriften und die Dokumentation aller relevanten Informationen.


Für Unternehmen, die eine direkte oder indirekte Vertretung der Customs Manager Ltd. in Betracht ziehen, bieten wir detaillierte Risikominimierungsstrategien und transparente Kommunikation, um eine reibungslose Zollabwicklung zu gewährleisten. Kontaktieren Sie uns, um mehr über unsere Konditionen und Voraussetzungen zu erfahren und wie wir Ihnen helfen können, die Herausforderungen der Zollabwicklung im Vereinigten Königreich zu meistern.

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